Genickbruch

Alle wollen nur noch tippen. Kurz angerauchte Gedanken,
Zigarettenkippen. Silben kommen stotternd über die Lippen. Zahmer
Scham, heilig zelebrierte Einfältigkeit. Wer ist der Worte wahrlich
noch mächtig? Neben dem Ursprung allen Seins liegt der Ursprung
allen Scheins.

Täglich eine Stunde lecke ich meine Wunde und suche ich nach dem
Orte, an dem ich Worte horte. Sortiere wie im zoologischen Garten
nach Art, nach Gattung, nach Geschlecht. Wem’s nicht gefällt, mir
ist das sehr recht.

Sagenhafte Lyrik spüre ich in den Fingerspitzen, hasse aber Spritzen.
Will sie extrahieren, würde jedoch das Bewusstsein verlieren. Ziehe
daher die musische Milch aus den Zitzen meines Pfaus. Ich muss
nachdenken, bevor ich schreibe! Du nicht auch?

Heute ist es doch so. Computer an, Kopf aus. Ständig ist der Akku
leer, dein Kopf wird schwer. Leere Sätze, bestehend aus leeren
Worten für gelehrsame Menschen, die in leeren Räumen ihren kleinen
Wünschen nachschwelgen, wobei ihre Köpfe welken. Druckschrift
bringt meinen Kopf zum Platzen! Viel zu langsam, ähnlich Bärentatzen,
im Morast. Da steckt kein Fluss drin, nur abgestandenes Wasser. Sicherlich, aller Anfang ist
schwer tot zu kriegen. Ständig. Es war einmal ein Neuanfang, der
tüchtig in die Hose ging wie ein Mann der an einem Baume hing. Das
Genick haben sie ihm gebrochen, vorher noch sorgsam ein Geständnis
erstochen. Mundraub und Wortklau. Teufel noch eins. Schreiben ist nicht nur Aderlass für’s Oberstübchen, es formt auch unseren Geist, so lange in uns Güte kreist.

-SN

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Peng! Die Schreibschrift ist tot.

RaphaelNibbana

Für mich nur Raphael Nibbana allein.                                                                      Ausgeglichenheit, stet und rein.                                                                              Was gäb ich drum, so zu sein.